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Steigerung des Mehrwerts

Die kapitalistische Klasse ist abhängig von Profit. Sie braucht ihn, um im Konkurrenzkampf zu bestehen und ihre gesellschaftliche Macht zu erhalten. Deshalb ist sie ständig bestrebt, den zu steigern. Zwei grundlegende Wege stehen ihr dafür offen. Der erste Weg: Den Arbeitstag verlängern. Die notwendige Arbeitszeit, in der die Arbeitenden den Wert ihrer Arbeitskraft reproduzieren, bleibt gleich (bspw. sechs Stunden). Jede Stunde darüber hinaus ist . Lässt die Kapitalistin acht statt sechs Stunden arbeiten, beträgt die Mehrarbeitszeit zwei Stunden. Lässt sie zwölf Stunden arbeiten, beträgt sie sechs Stunden. Marx nennt diesen Weg den absoluten Mehrwert: Die Mehrarbeitszeit wächst absolut, weil der Arbeitstag verlängert oder die Arbeit intensiviert wird. Aber der absolute Mehrwert hat Grenzen. Der Tag hat 24 Stunden. Die Arbeitenden brauchen Schlaf, Erholung, Zeit für sich. Und gesellschaftliche Kämpfe setzen politische und moralische Grenzen. Jede Begrenzung des Arbeitstags musste erkämpft werden: der Zehn-Stunden-Tag, der Acht-Stunden-Tag.

Der zweite Weg, der relative Mehrwert, ist wirkungsvoller und charakteristisch für den Kapitalismus. Wenn der Wert der Arbeitskraft sinkt, sinkt nämlich auch die notwendige Arbeitszeit und damit wächst der Anteil der am Arbeitstag, ohne dass der Arbeitstag länger wird.

Der Wert der wird ja bestimmt durch die Waren, die die Arbeitenden zum Leben brauchen: Essen, Kleidung, Wohnung. Wenn die Produktivität in den Wirtschaftsbereichen steigt, die diese Waren herstellen, werden sie billiger. Billiger heißt nach Marx: Ihre Herstellung erfordert weniger . Sinkt der Wert dieser Waren, sinkt in der Folge der Wert der Arbeitskraft. Die Arbeitenden könnten dabei sogar mehr Waren konsumieren als vorher und trotzdem sinkt der Wert ihrer Arbeitskraft, wenn diese Waren weniger Arbeitszeit erfordern. Man kann sich das wie einen Korb voller Waren vorstellen, die jeweils die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendige Zeit als Gewicht besitzen. Wenn die Waren leichter werden (also weniger gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit beinhalten), kann der Korb stärker gefüllt werden und trotzdem leichter sein als vorher.

Um den relativen Mehrwert zu verstehen, ist eine Unterscheidung wichtig: Produktivität, Intensität und Profitabilität.

Profitabilität ist das Verhältnis zwischen Marktpreis und Produktionspreis einer Ware. Intensität ist die Rate, mit der die Arbeitskraft verbraucht wird, also härtere, schnellere Arbeit bei gleicher Stundenzahl. Produktivität wird im Gegensatz dazu durch die Effizienz der Produktionsmittel und die Organisation der Arbeit bestimmt.

Durch höhere Intensität und durch höhere Produktivität werden mehr Waren in gleicher Zeit hergestellt. Aber nur bei höherer Intensität steigt der Neuwert, der in einer Zeitspanne produziert wird. Das liegt daran, dass nur die Arbeitskraft einem Produkt Wert hinzufügt. Eine Maschine überträgt den Wert, den sie selbst besitzt, anteilig an die produzierten Waren. Sie schafft keinen neuen Wert. Daher steigert eine produktivere Maschine die Warenmenge, aber nicht den Neuwert pro Stunde.

Extraprofite und der Mechanismus des relativen Mehrwerts

Warum sollte eine einzelne Kapitalistin in teure Maschinen investieren, die am Ende den Wert der Arbeitskraft anderer Kapitalisten senken? Weil sie sich damit einen Produktivitätsvorsprung verschafft. Kann sie ihre Waren in kürzerer Zeit herstellen als die Konkurrenz, produziert sie unter der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Sie kann ihre Waren sogar etwas billiger verkaufen als die Konkurrenz und macht trotzdem einen Extraprofit.

Dieser Vorsprung ist nur für eine gewisse Zeit. Wenn die Konkurrenz nachzieht und auch neue Maschinen einsetzt, verschwindet der Extraprofit. Aber am Ende sinkt der Wert der Waren allgemein. Wenn es sich dabei um Waren handelt, die die Arbeitenden zum Leben brauchen, sinkt auch der Wert der Arbeitskraft. So steigt der relative Mehrwert.

Zusammenfassung

  • Absoluter Mehrwert entsteht durch Verlängerung des Arbeitstags oder Intensivierung der Arbeit.
  • Relativer Mehrwert entsteht, wenn der Wert der Arbeitskraft sinkt. Das passiert durch Produktivitätssteigerungen, die die Waren des täglichen Bedarfs billiger machen.
  • Maschinen schaffen keinen neuen Wert, sondern steigern die Produktivität. Der Antrieb für den einzelnen Kapitalist*innen sind temporäre Extraprofite.
  • Der Unterschied zwischen Produktivität, Intensität und Profitabilität ist wichtig: Nur die Arbeitskraft schafft Wert.

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