Der tendenzielle Fall der Profitrate
Marx entwickelt im dritten Band des Kapital das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Der Artikel rekonstruiert das Gesetz, die sechs entgegenwirkenden Tendenzen und den inneren Widerspruch der kapitalistischen Produktionsweise.
Profitrate
Die Profitrate misst das Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten vorgeschossenen Kapital. Marx schreibt sie als p' = m / (c + v). Dabei steht c für das konstante Kapital (Maschinen, Rohstoffe, Anlagen), v für das variable Kapital (in Arbeitslohn verausgabter Teil) und m für den Mehrwert. Die Profitrate ist nicht identisch mit der Mehrwertrate. Die Mehrwertrate m/v misst den Ausbeutungsgrad der Arbeit. Die Profitrate misst die Verwertung des Gesamtkapitals.
Organische Zusammensetzung des Kapitals
Marx unterscheidet drei Arten der Zusammensetzung des Kapitals, die variables und konstantes Kapital aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Die technische Zusammensetzung beschreibt das »Verhältnis zwischen der Masse der angewandten Produktionsmittel einerseits und der zu ihrer Anwendung erforderlichen Arbeitsmenge« (Marx). Die Wertzusammensetzung fasst das Verhältnis zwischen konstantem und variablen Kapital hinsichtlich ihres Wertes. Wenn Marx von einer steigenden organischen Zusammensetzung spricht, meint er, dass der Anteil des Werts der konstanten Kapitals am Gesamtwert (konstantes + variables Kapital) im Laufe der kapitalistischen Entwicklung wächst, weil eine größere Masse konstantes Kapital eingesetzt wird. Der Wert des konstanten Kapitals wächst also, weil Arbeitskraft (variables Kapital) durch Technologie (konstantes Kapital) ersetzt wird, nicht bloß weil das konstante Kapital ›teuer‹ wird.
Das Gesetz als solches
Die progressive Tendenz der allgemeinen Profitrate zum Sinken ist also nur ein der kapitalistischen Produktionsweise eigentümlicher Ausdruck für die fortschreitende Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit.
Die Profitrate fällt nicht, weil die Arbeit unproduktiver, sondern weil sie produktiver wird.
Die entgegenwirkenden Tendenzen
Sie heben das Gesetz nicht auf, schwächen aber seine Wirkung ab. Ohne das wäre nicht das Fallen der allgemeinen Profitrate unbegreiflich, sondern umgekehrt die relative Langsamkeit dieses Falls.
Der innere Widerspruch
Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst.
Nachwirkungen
Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr entsprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer historischen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen.